Auch in diesem Jahr veranstaltete die WPI Protestaktionen während der in der ersten Juni hälfte stattfindenden 95. Jahreskonferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf gegen die Teilnahme der Vertreter der Islamischen Republik Iran und ihrer Unterdrückungsorgane an der Konferenz und für ihren Rausschmiss aus der ILO.
In diesem Jahr waren auch kurz zuvor Protestbriefe verschiedener Teile der
Arbeiterschaft im Iran mit ähnlichen Forderungen an den Generalsekretär
der ILO und an internationale Gewerkschaftsorganisationen (wie ITF) geschrieben
worden. 3 solche Protestbriefe - nämlich von einer Gruppe von Arbeitern
des Autobauers Iran-Khodro, von der Gewerkschaft der Arbeiter der Teheraner
Busgesellschaft Vahed und von einer Gruppe Ost-Teheraner Arbeiter - sowie ein
Schreiben von Shahla Daneshfar, der Koordinatorin des Internationalen Arbeitersolidaritätskomitees
der WPI sind in der Ausgabe Nr. 17 von "Workers in Iran", dem englischsprachigen
Bulletin dieses Komitees, abgedruckt. Dieses Bulletin wurde bei der Protestkundgebung
vom 9. bis 12. Juni am Sitz der ILO in Genf verteilt. Im Laufe des Freitags,
9. Juni, wurde einer Delegation unserer Protestkundgebung unter Leitung von
Bahram Soroush und Farshad Hosseini offiziell Einlass in die Konferenz gewährt.
Unsere 7köpfige Delegation verteilte dann in der Konferenz auch am darauf
folgenden Montag (12. Juni) Hunderte Exemplare von "Workers in Iran"
und konnte in direktem Gespräch mit vielen Delegierten und Gewerkschaftsvertretern
aus der ganzen Welt in den verschiedenen Sitzungen über die rechtlose Lage
der Arbeiter im Iran, ihre Kämpfe und über das herrschende Unterdrückungsregime
informieren. Unsere Delegierten informierten auch dadurch, dass sie Plakate
mit Fotos von Mansur Ossanlou, dem seit mehr als 6 Monaten inhaftierten und
misshandelten Vorsitzenden der Vahed-Gewerkschaft und mit Forderungen wie "Sofortige
Freilassung von Ossanlou!", "Islamische Republik Raus aus ILO!"
hochhielten. Sie informierten auch darüber, dass ein Mitglied der iranischen
Delegation mit dem Namen Eivazi führend an dem brutalen Überfall auf
das Büro der Vahed-Gewerkschaft im Mai letzten Jahres beteiligt war. Bei
diesem Überfall waren Ossanlou und andere Vorstände der Gewerkschaft
brutal geschlagen worden. Die Schläger hatten sogar versucht, Ossanlou
die Zunge abzuschneiden. Dies gelang ihnen aber nicht ganz und er konnte sich
mit einer Schnittwunde an der Zunge von ihren Griff befreien.
Die Atmosphäre auf der Konferenz war nun für die islamische Delegation
so schwer geworden, dass ihre Mitglieder versuchten sich möglichst unsichtbar
zu machen. So kam es, dass, als am Montag bei einer allgemeinen Sitzung ihrem
Vertreter das Wort erteilt wurde, dieser sich nicht meldete und nicht ans Mikrofon
trat. Bei einer Gelegenheit trat dann unser Delegationsleiter Bahram Soroush
ans Mikrofon und hielt eine etwa 5minütige Rede. Er begann damit, dass
er, da die Delegation der Islamischen Republik die iranischen Arbeiter nicht
vertritt, die Botschaft der iranischen Arbeiter an die Konferenz übermitteln
möchte. Er entlarvte dann nochmals den islamischen Delegierten Eivazi und
seine Verbrechen, zählte weitere Beispiele der politischen und wirtschaftlichen
Repression gegen die Arbeiter in den letzten Jahren auf und wies auf die Forderungen
der iranischen Arbeiter nach Organisationsfreiheit und nach dem Ausschluss der
Islamischen Republik aus der ILO hin.
In einem Gespräch, das anschließend in einem Security-Raum des Gebäudes,
wohin unsere Delegierten gebracht wurden, mit dem Chef und weiteren Verantwortlichen
der ILO stattfand, wurde unsrer Delegation mitgeteilt, dass die Akkreditierung
von Eivazi aufgrund des Beschwerdebriefes der Vahed-Gewerkschafter überprüft
würde und dass die genannten 4 Protestbriefe gegen die Teilnahme der Islamischen
Republik an der Konferenz und über die Fälle der Verletzung der Grundrechte
der iranischen Arbeiter der Akte der Islamischen Republik beigefügt und
diese Fragen untersucht würden.
Dies ist ein Erfolg für die Arbeiterbewegung und die gesamte Freiheitsbewegung im Iran.
Unter Punkt 6 der in dieser Ausgabe abgedruckten Proklamation der dritten Kraft
gegen den US-Militarismus den islamischen Terrorismus ist die Forderung nach
der internationalen Isolierung und dem Ausschluss der Islamischen Republik aus
der Weltgemeinschaft formuliert. Die oben erwähnten Briefe iranischer Arbeiter
an internationale Institutionen weisen genau in diese Richtung. Sie weisen auch
den Weg der wirklichen Lösung der Atomkrise, der von der internationalen
Antikriegsbewegung beachtet werden sollte. Eine große und breite Unterstützung
und die Realisierung dieser Forderungen der immer stärker auftretenden
sozialen Bewegungen im Iran würde sie in ihrem Kampf für Freiheit
und Gleichheit enorm stärken. Es würde der Bevölkerung zeigen,
dass dieses Regime keinen Rückhalt mehr in der Welt hat und sie ermutigen,
es sehr bald hinwegzufegen. Wir rufen deshalb nochmals alle Kriegsgegner und
freiheitsliebenden Menschen und Gruppen auf, sich dieser Front anzuschließen.
Über die Internetsite www.thirdcamp.com kann man sich mehr informieren,
die Plattform unterzeichnen, Diskussionsbeiträge leisten und mitmachen.