Asqar Karimi
Die Arbeiterbewegung im Iran hat in den letzten 3 Jahren einige feste Schritte
nach vorne getan und bemerkenswerte Errungenschaften gehabt. Die folgenden Beispiele,
eine Auswahl aus Dutzenden weiteren Bespielen, mögen das auffallend gestiegene
Selbstbewusstsein der Arbeiterklasse und das Wachstum der Arbeiterkämpfe
verdeutlichen: Die breiten Aktivitäten zum 1. Mai in 2005, die wichtigen
Kämpfe und Erfolge der Arbeiter der Textilfabrik Kurdistan in der Stadt
Sanandaj, die breiten Aktivitäten und die Bewegung , die um die Forderung
des Mindestlohns von 450 Tausend Tuman ( umgerechnet. ca. 450 EUR) entstanden
sind, und die Forderung, dass der Mindestlohn durch die Arbeiter und ihre gewählten
Vertreter festgelegt werden muss. Die Forderung nach Auflösung der "Islamischen
Räte der Arbeit" und nach Organisationsfreiheit. Die Kämpfe der
Textilarbeiter von Kashan und ihre Märsche. Die Kämpfe der Arbeiter
der Teheraner Busgesellschaft Vahed, der Autofabrik Iran-Khodro, der Arbeiter
der Iran-Sadra-Werft in Behshahr, der Textilarbeiter von Qazvin, der Petrochemie-Arbeiter
in Kermanshah. Die verschiedenen Aktivitäten und Initiativen, die landesweit
zur Organisierung der Arbeiter entstanden sind. Die steigende gegenseitige Solidarisierung
der Arbeiterkämpfe. Es gibt inzwischen Dutzende Führungspersönlichkeiten
der Arbeiterbewegung, die öffentlich auftreten und prominent sind. Es hat
bemerkenswerte Veränderungen in den Forderungen und der Erwartungshaltung
der Arbeiter gegeben.
Auch ist die heutige Quantität der Streiks in der Geschichte der iranischen
Arbeiterbewegung ohne Beispiel. Und andererseits erfassen die Streiks immer
mehr größere und wichtigere Wirtschaftszentren und nehmen komplexere
und entwickeltere Formen an.
Man kann nicht die Lage der Arbeiterbewegung im Iran untersuchen wollen, ohne das wichtigste und prominenteste Ereignis, den Streik der Vahed-Arbeiter (Teheraner Busgesellschaft) zu erwähnen. Dieser Streik war die Essenz des allgemeinen Fortschritts der Arbeiterbewegung und hatte ihrerseits wichtige Auswirkungen auf die Arbeiterbewegung. Es ist angebracht, zunächst auf die wichtigen Aspekte dieses Streiks einzugehen und in ihrem Licht die neue Lage der Arbeiterbewegung zu untersuchen.
Der Vahed-Streik war wochenlang ein heißes Thema in der Gesellschaft und warf überall seine Schatten. Er konnte eine bemerkenswerte internationale Solidarität mobilisieren und wurde zum ersten Mal in der Geschichte der iranischen Arbeiterbewegung in großen und auflagestarken Medien in den USA und Europa widergespiegelt. Der Streik wurde gewaltsam niedergeschlagen aber seine langfristigen Auswirkungen werden den Weg der Arbeiterbewegung beleuchten. Trotz ernsthafter Schwächen, z. B. dass er sich nicht durch Einberufung von Vollversammlungen organisiert auf die Masse der Arbeiter stützte, offenbarte der Streik in mancher Hinsicht die Fortschritte der Arbeiterbewegung und die Erwartungen der Arbeiter an das Leben und ihre Position in der Gesellschaft. Wichtige Forderungen und Aktionen bei diesem Streik, wie die im folgenden aufgezählten, zeigen das allgemein Wachstum der Arbeiterbewegung, das sich voll im Vahed-Streik widerspiegelte: Organisationsfreiheit, Auflösung der Islamischen Räte, Schließung von Kollektivverträgen mit gewählten Vertretern der Arbeiter, Anerkennung der Gewerkschaft, Bestimmung des Mindestlohns durch gewählte Arbeitervertreter, Protest gegen die Zensur und das Verschweigen dieser Kämpfe in den inländischen Medien, das ständige Bemühen der Streikenden, durch Kommuniques, Briefe an internationale Arbeiterorganisationen und Interviews mit Oppositionsmedien im Ausland die Stimme der Arbeiterproteste zu verbreiten und dadurch den Protest über den Rahmen des Arbeitskampfes hinaus zu einem gesellschaftlichen Ereignis zu machen und, sowohl im Inland als auch international, Solidarität zu mobilisieren. Dazu gehören auch das öffentliche Auftreten vieler Arbeiteraktivisten, komplexe und fortgeschrittenere Organisationsformen und die tiefgehende Kritik der prekären sozialen Lage der Arbeiterklasse in der Gesellschaft, die aus dem Mund einiger Vahed-Arbeiterführer zu hören war. Dieser Streik war so sehr zu einer gesellschaftlich wichtigen Frage geworden, dass am Vorabend des 28. Januar, Tag des Streikbeginns, die ganze Gesellschaft den Atem anhielt und die Blicke auf ihn richtete. Die Arbeiterorganisationen waren über den Streik informiert und bereit zu seiner Unterstützung. Zahlreiche Medien standen bereit, die Meldungen über den Streik zu verbreiten. Und obwohl der Streik schon in den ersten Augenblicken brutal niedergeschlagen wurde, mit über 1000 Verhafteten, schlug er wie eine Bombe ein. Das war kein auf eine Fabrik begrenzter Streik, der angeblich die Außenwelt nicht so ohne weiteres wahrnehmen würde. Ein beachtlicher Teil der Gesellschaft wusste nun, was die Forderungen der Arbeiter sind, wofür sie streiken und was die Antwort des Regimes und seine Taktiken und Machenschaften sind. Dies bot ein ganz neues Muster für die Arbeiterbewegung und die Freiheitsbewegung der Bevölkerung. Dadurch wurde die gesellschaftliche Position der Arbeiterklasse in den Augen der Arbeiter selbst und auch in der Gesellschaft erhöht. Und besonders die Tatsache, dass dieser Konflikt in der Gesellschaft ,aber auch international wochenlang ein heißes Thema war, zeigte allen, auch jedem ungläubigen Verstand die Kraft und das Potential dieser Klasse. Dies wird selbst Ursache wichtiger Veränderungen in der iranischen Arbeiterbewegung werden. Und aus diesem Grund kann man die anderen Arbeiterstreiks der jüngsten Zeit, wie die Streiks der Iran-Sadra Werftarbeiter in Behshahr, der Petrochemie von Mahshahr, der Glasfabrik Miral und der Textilfabriken von Qazvin, nicht ohne Berücksichtigung der wichtigen Auswirkungen dieses Streiks untersuchen.
Die Arbeiterbewegung hat mit dem Vahed-Streik einen großen Schritt nach
vorne getan. Die Wichtigkeit dieses Streiks ist aber auch an der groben Reaktion
der Islamischen Republik zu sehen. Aus der Sicht des Regimes musste ein Streik
mit diesem Grad an Mächtigkeit, Potential und Einfluss unterdrückt
werden, damit, wie es der Teheraner Bürgermeister, Ghalibaf sinngemäß
ausdrückte, der 'Arbeiter nicht denkt, mit Streik seine Forderungen durchsetzen
zu können und die Konterrevolution dies Missbraucht um ihren Einfluss auszuweiten'.
Aber der Vahed-Streik fand in der Fortsetzung der reichen Kampf-Erfahrungen in anderen Zentren statt. Ohne die wertvollen Erfahrungen der Arbeiter der Textilunternehmen Shahoo und Kurdistan in Sanandaj, hätte der Vahed-Streik mit diesen Besonderheiten nicht stattgefunden. Dieser Streik fand nicht ohne diesen Hintergrund und nicht nur wegen der Vahed-Gewerkschaft statt. Die Gewerkschaft selbst hat sich auch im Verlauf dieses Streiks stark verändert. Z. B. wurde trotz der Niederschlagung des Streiks, was gewöhnlich zur Stärkung einer legalistischen und konservativen Tendenz führt, hier die legalistische gegenüber der radikalen Tendenz in der Vahed-Gewerkschaft stark geschwächt. Die Unfruchtbarkeit und das Unrealistische der syndikalistischen Tendenz offenbarte sich täglich größeren Teilen der Streikaktivisten und dem fortgeschrittenen Teil der landesweiten Arbeiterbewegung. Die Wirksamkeit der radikalen Lösungswege bewies sich in jedem Augenblick im Verlauf des Kampfes und trieb ihn voran. Der Teheraner Bürgermeister, für manche Arbeiter am Anfang noch "seine Excellenz Herr Ghalibaf", wurde am Ende zu einer unbedeutenden Figur neben Mahdjub (einem Anführer der Schlägerbanden er "Islamischen Räte", d. Ü.) und anderen Keulenschwingern. Mit diesem Streik und weil alles was ihn betraf vor aller Augen stattfand - und dies war eine wichtige und neue Stärke - wurde die Arbeiterbewegung wie um 10 Jahre reifer. Die Arbeiterbewegung wuchs infolge des Vahed-Streiks um einen Kopf und ihr Ansehen stieg bei der Bevölkerung, dem Regime, bei weiten Teilen der Opposition und auch in der Welt. Dieser Kampf war so mächtig, dass er sogar die Rechte hinter sich zog. Die Arbeiterbewegung hat damit gezeigt, dass sie selbst in dem gegenwärtigen Kräfteverhältnis viel stärker ist, als angenommen wurde. Sie konnte ihre macht in der Reaktion des Regimes und der rechten Opposition sehen.
Ein anderer Aspekt des Fortschritts der Arbeiterbewegung ist im Aufschwung des Kampfes für Lohnerhöhungen im vergangenen Jahr zu sehen. Der relativ breite Kampf für die Forderung eines Mindestlohns von umgerechnet etwa 450 EUR, etwa in den Städten Kashan, Teheran, Behshahr, Kermanshah, Sanandaj, Karaj und Isfahan war ein anderes Indiz für diesen Fortschritt. Zum ersten Mal wurde in einigen wichtigen Zentren erklärt, dass die Arbeiter selbst den Mindestlohn bestimmen und es nicht dem "Hohen Rat der Arbeit" oder anderen Organen überlassen wollen. Außerdem nannten sie eine Summe, die weit über den zwischen den Islamischen Räten und der Regierung diskutierten Rahmen hinausging. Die Vahed-Gewerkschaft erklärte in einer Verlautbarung, dass der Lohn durch gewählte Vertreter der Arbeiter bestimmt werden sollte. Und in den letzten Wochen haben mehrere Zentren in Sanandaj, eine Gruppe von Rentnern in Teheran und eine beachtliche Zahl der Vahed-Aktivisten erklärt, der Mindestlohn dürfe nicht unter 500 000 Tuman (etwa 500 EUR) liegen. Diese Regungen sind Ausdruck gestiegenen Selbstbewusstseins, größrer Erwartungshaltung, festerer Einigkeit und einer klaren und fortschrittlichen Perspektive der Arbeiterbewegung. Obwohl der Arbeiterklasse ein Leben um das Dreifache unterhalb der Armutsgrenze aufgezwungen wird, Trotz großer Arbeitslosigkeit und obwohl Millionen Arbeiter zu völlig rechtlosen temporäreren Vertragsarbeitern gemacht worden sind, hat sich die Arbeiterklasse also nicht ergeben und die Erwartungshaltung ihrer Vorreiter an das Leben ist nicht gesunken. Das ist ein Hinweis darauf, mit welchen Erwartungen und Forderungen die Arbeiterklasse bei Zerschlagung der Repression auf die politische Bühne treten würde.
Die Streiks haben eine qualitativ höhere Stufe erreicht:
Vor allen Dingen durch die Arbeiterstreiks kann man die Veränderungen dieser Bewegung von verschiedenen Seiten betrachten und untersuchen. Die Streiks haben sowohl quantitativ stark zugenommen als auch eine neue Qualität gegenüber der Vergangenheit erreicht. Sie sind organisierter und viel bewusster. Der Streik in der Textilfabrik Kurdistan dauerte 58 Tage bis schließlich das Management und die verschiedenen Regierungs-Organe alle Forderungen der Arbeiter akzeptierten.
Die Werft-Arbeiter von Iran-Sadra erreichten nach 21 Streiktagen alle ihre Forderungen. Und danach erreichten sie, wieder durch einen Streik. auch die Zahlung ihrer Löhne für die Streikzeit. Ein langer Streik ist nicht machbar ohne Organisiertheit, Selbstbewusstsein, Einheit, Optimismus und Perspektive.
Die Arbeiter von Textil-Fabrik Kurdistan, der Autofabrik Iran-Khodro und der Vahed-Busgesellschaft gründeten jeweils mit dem Streikbeginn ihre Streikkomitees, um die verschiedenen Aspekte des Streiks zu organisieren.
In den Textilfabriken Kurdistan und Shahu in Sanandaj, bei der Werft Iran-Sadra und in der Petrochemie von Kermanshah wählten die Arbeiter ihre eigenen Vertreter und nahmen die Islamischen Räte nicht hin.
Die Streikführer informieren ständig die Arbeiter über den Verlauf der Verhandlungen und die folgenden Schritte. Sie protestieren gegen die Zensur ihres Kampfes durch die Medien und nutzen die Oppositionsmedien um die Öffentlichkeit zu informieren und ihren Streik über die Fabrikmauern hinaus als Thema in die Gesellschaft zu tragen.
Die Frauen der Arbeiter haben angefangen, sich am Streik zu beteiligen. Sie
schreiben offene Briefe,
halten Reden, geben Interviews und verstehen sich als Aktivistinnen dieser Bewegung.
In der Tat hat die Arbeiter-Protestbewegung eine wichtige Kraft hinzugewonnen.
Und das nicht nur quantitativ. Der Kampf der Arbeiterklasse ist sehr viel gesellschaftlicher
und zu einem Thema geworden, das die ganze Gesellschaft angeht.
Im Verlauf ihres Streiks lassen sich die Arbeiter weniger täuschen. Sie vertrauen nicht so leicht ihren Gegnern und deren Versprechungen. Manchmal zwingen sie sie zu schriftlichen Zusagen. Sie setzen Fristen für die Erfüllung ihrer Forderungen und treten bei ihrer Überschreitung sofort wieder in den Streik. Sie sind jetzt offensiver und beenden den Kampf nicht bevor sie ein Ergebnis erreicht haben. Dies alles ist dabei, zum beständigen und allgemeinen Charakteristikum in der Arbeiterbewegung zu werden.
Ein sehr beachtenswerter Punkt: In manchen Fällen, wenn Arbeiteraktivisten vom Informationsministerium vorgeladen werden, ziehen die Arbeiter gemeinsam mit ihnen vor das betreffende Gebäude. Sie warnen damit also das Informationsministerium, diese Schikanen zu beenden. Sie erklären damit, dass die Zeit der Einschüchterung zu Ende ist und dass diese Organe jetzt der Masse der Arbeiter gegenüberstehen. Zugleich schützen sie damit aktiv die Führer ihres Kampfes.
All dies sind Indikatoren für ein beachtliches qualitatives Wachstum der Streiks, ihre besser Organisiertheit, längere Laufzeit, klarere Forderungen, bessere Führung.
Der Streik wird zur Sache der Gesellschaft gemacht:
All die aufgezählten Punkte zeugen von der Reife der Arbeiterklasse. Die Fortschritte, die ich aufgezählt habe, sind Produkt neuer Traditionen in der Arbeiterbewegung und der Zurückdrängung alter Traditionen. Die Arbeiterklasse muss als führende Kraft in der Gesellschaft auftreten, sich als Retterin der ganzen Gesellschaft präsentieren, ihre Kompetenz für die Führung der gerechten Kämpfe der Bevölkerung zeigen, ihre Macht für die Veränderung der Verhältnisse und Zurückschlagung des Regimes offenbaren, ihre Führer der Gesellschaft präsentieren, ihre Forderungen öffentlich erklären und die Gesellschaft dafür mobilisieren. In den letzten drei Jahren hat die Arbeiterklasse einen Teil dieser Strecke zurückgelegt und sie befindet sich heute in einer stark veränderten gesellschaftlichen Lage. Man kann nicht die Führung der Gesellschaft übernehmen wollen ohne der Gesellschaft herausragende, klare, radikale und hochkarätige Führer zu präsentieren, ohne der Gesellschaft den Weg zum Sieg zu weisen und ohne seine Macht zu demonstrieren. Und die Voraussetzung dafür ist vor allen Dingen das Bewusstsein der Arbeiterklasse um die eigene Macht. Viele der Streiks zeigen, dass die Arbeiter dabei sind, diese Kraft zu erkennen und ins Feld zu führen. Die Arbeiter haben inzwischen viele Erfahrungen gesammelt, wo sie mit Streiks und Beharren auf ihren Forderungen das Management, das Arbeitsministerium, den Werkschutz, das Informationsministerium, das Provinzgouvernement etc. alle zusammen zum Einlenken gezwungen haben.
Der Streik ist immer öffentlich und immer haben Führer den Streik geleitet. Aber das Aktionsfeld der Streikführer ist aus verschiedenen Gründen, z. B. Repression, aber auch Dominanz der Traditionen der sektiererischen und nicht-gesellschaftlichen Linken, selten über den Rahmen der Fabrik hinausgegangen. Wie auch Nachrichten über Streiks eher selten in der Gesellschaft verbreitet wurden. Aber in den letzten Jahren ist eine beachtliche Zahl von Arbeiterführern in ihrer Stadt und manchmal auch landesweit bekannt geworden. Arbeiterführer geben hier und da Interviews, erlassen Kommuniques, sprechen in ihrem eigenen Namen zur Öffentlichkeit und schreiben an internationale Institutionen und Arbeiterorganisationen. Sie informieren die Gesellschaft, wenn sie bedroht oder verhört werden. All dies schränkt das Regime ein und neutralisiert seine Drohungen. Abgesehen davon führt es aber zu einem größeren Bekanntheitsgrad der Arbeiterführer. Wenn vor drei Jahren über Arbeiter und Arbeiterkämpfe gesprochen wurde, fiel niemandem der Name eines Arbeiteraktivisten ein. Heute sind Dutzende von Arbeiterführern landesweit in der Bevölkerung mehr oder weniger bekannt. In diesem Sinn hat die Arbeiterbewegung nun eine klarere Identität, sie hat einige Gesichter. Und dies hat, neben anderen Faktoren, zu einem größeren Gewicht der Arbeiterbewegung in der Gesellschaft geführt. Die Präsenz der Frauen der Arbeiter in den Kämpfen ist ein weiterer Aspekt der Vergesellschaftung der Arbeiterkämpfe.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Arbeiterbewegung im Iran den Kopf aus ihrem Panzer heraus gesteckt hat, als eine Kraft auf der gesellschaftlichen Bühne auftritt und ihre Führer präsentiert. In einem Wort hat die Arbeiterbewegung eine größere gesellschaftliche Bestimmung gewonnen und damit hat sich ihre Position in der Gesellschaft verändert.
Der Arbeiterkommunismus und die Arbeiterklasse:
All dies zeigt das Wachstum des Kommunismus in der Arbeiterklasse. Die arbeiterkommunistische
Tendenz hat es immer und überall innerhalb der Arbeiterklasse gegeben.
Das geht bis in die Zeit vor Marx und Kommunistischem Manifest zurück.
Im Iran ist diese Tendenz gegenüber dem Reformismus und Syndikalismus stark.
Die 1979er Revolution hat den Arbeitersozialismus aktiviert. Der Marxismus fand
Gelegenheit aufzublühen. In der Arbeiterbewegung zeigte sich der Arbeiterkommunismus
in der Entstehung von Räten und im Kampf für die Arbeiterkontrolle
und es war offensichtlich dass diese Tendenz in der Arbeiterbewegung stärker
ist als die anderen und dass sie die Oberhand hat. Während der 2 Dekaden
seit der Repressionswelle und den Massakern von 1981, den Auf und Ab und der
Strukturveränderung der Arbeiterbewegung treten die Arbeiterklasse und
die arbeiterkommunistische Tendenz in dieser Klasse heute mit neuen Besonderheiten
wieder auf die Bühne. Eine neue und junge Generation in der Arbeiterbewegung,
mit anderer Mentalität und anderen Merkmalen als die Arbeiteraktivisten
jener Zeit bestimmt nun den Pulsschlag dieser Bewegung. Heute tendiert diese
Generation zum Kommunismus. Sie hat größere Erwartungen an das Leben.
Sie ist eine nichtbesiegte Generation. Es ist diese Generation, die begonnen
hat, den Marxismus und Arbeiterkommunismus, Mansur Hekmat und die Arbeiterkommunistische
Partei kennen zu lernen. Sie sieht beim Eintreten in die politische Arena eine
Partei, die diese Klasse auf gesellschaftlicher und auf Makro-Ebene vertritt.
Die Arbeiterklasse braucht vor allen Dingen eine Partei, die sie in der Sphäre
der landesweiten Politik und im Kampf um die Macht vertritt, ihre Sprecherin
ist und sie in ihrem Kampf gut durch politische Wendepunkte führt. Eine
Partei, die die tiefegehende Kritik des Arbeiters an diesem System zum Ausdruck
bringt und den Druck dieser Kritik auf die bestehende Ordnung und auf die anderen
Bewegungen aufrechterhält. Eine Partei, die das Banner des Arbeiters, das
Banner der Gleichheits- und Freiheitsliebe hisst und gegenüber den Bewegungen
und Parteien der anderen Klassen präsent ist, damit die Arbeiterklasse
und die ganze Gesellschaft sie, ihre Ziele und ihre Politik erkennen und wählen
kann.
Die letzten 3 Jahre waren eine Zeit, in der die junge Generation der Arbeiterbewegung auf breiter Ebene Bekanntschaft mit der Partei gemacht hat. Es war die Periode, in der sie Vertrauen zur Partei gefasst hat. In den letzten Jahren ist der Kommunismus in Iran massenhafter geworden, die Partei und ihre Führungspersönlichkeiten sind unter den Arbeitern und den verschiedenen Teilen der Bevölkerung nicht unbekannt. Das allgemeine Bild vom Kommunismus hat sich in hohem Masse gewandelt. Die Arbeiterkommunisten werden mit Freiheitsliebe und Humanismus, mit kompromisslosem Kampf gegen die Islamische Republik und den politischen Islam sowie mit hartnäckiger Verteidigung der freiheitlichen und gerechten Forderungen der verschiedenen Teile der unterprivilegierten und werktätigen Bevölkerung identifiziert. Die verlogenen und entstellten Bilder der Vergangenheit sind rasch durch ein wahrhaftigeres Bild vom Kommunismus, von seiner tiefen Freiheitsliebe und dem Humanismus, von seiner engen Verbindung zum Leben und zum Kampf, zu den Arbeitern , den Frauen, der Jugend und der unterprivilegierten Bevölkerung ersetzt worden. Dies war die Periode wichtiger politischer Gefechte, des Hervortretens der verschiedenen oppositionellen Parteien und Strömungen und der Klärung der Unterschiede zwischen ihnen und der tieferen Bekanntschaft der Bevölkerung, insbesondere der jungen Arbeitergeneration mit der Partei und den kommunistischen Idealen.
Vor solchem Hintergrund und zugleich als ein Ergebnis dieses Prozesses lenkte
der erfolgreiche Streik der Arbeiter des Kurdistan-Textilunternehmens viele
Augen auf die Fähigkeit der Arbeiterkommunistischen Partei in der Führung
der Arbeiterbewegung und machte viele Arbeiteraktivisten auf sie aufmerksam.
Aber es handelte sich hier nicht um ein Schlüssel-Unternehmen. Ein Jahr
später vervollständigte der Vahed-Streik den Textilstreik. Diesmal
hatte ein sehr wichtiges und sensibles Zentrum in Teheran einen mächtigen
Kampf aufgenommen und die ganze Gesellschaft auf sich aufmerksam gemacht. Und
die breiten Aktivitäten der Partei
an der Site dieses Streiks führten dazu, dass einige Tabus im gesellschaftlichen
Maßstab gebrochen wurden. Der Vahed-Streik hat den Einfluss und die Autorität
der Partei, besonders unter den Arbeiterführern und -Aktivisten völlig
verändert und ein tiefes Vertrauen geschaffen. Dies ist sowohl für
die Arbeiterbewegung als auch für die Arbeiterkommunistische Partei und
deren Fähigkeit und Bereitschaft, in die täglichen Streiks und Kämpfe
der Arbeiterklasse einzugreifen von vitaler Bedeutung. Dies versetzt sowohl
die Partei als auch die Arbeiterbewegung in eine neue Position.
Wovon hängt das Fortschreiten der Arbeiterbewegung ab?
Bis hier haben wir einige Aspekte des Fortschreitens der Arbeiterkämpfe
erwähnt und die Elemente, die zum Fortschritt geführt haben aufgezählt.
Aber wenn diese Erfolge nicht zu beständigen Organisationen führen,
werden sie brüchig und widerruflich sein. Es stimmt, dass die Arbeiter
bei den Streiks organisierter agieren als früher. Aber sie haben sich noch
nicht in ihren Massenorganisationen zusammengeschlossen. Sie sind unzufrieden
mit den Islamischen Räten, aber sie haben ihre eigene Organisation nicht
gründen können. Auch in Bezug auf die Partei ist es so, dass ihr Einfluss
zwar gestiegen ist, dieser Einfluss aber zu keiner beachtenswerten organisatorischen
Ausbreitung geführt hat. Damit das erfolgreiche Muster, das bei den Streiks
zu sehen ist, allumfassend wird und auch zu mächtigen und erfolgreichen
Streiks führt und den Druck der Arbeiterbewegung auf gesellschaftlicher
Ebene zum Ausdruck bringt, bedarf es der Organisation, sowohl der Massen- als
auch der Parteiorganisation. Erstens braucht es die Massenorganisation, damit
es sich auf die Masse der Arbeiter stützen, deren Persönlichkeit herausstellen,
prominente Führer hervorbringen und sie vor dem Zugriff des islamischen
Regimes schützen kann, um dann auch machtvolle und erfolgreiche Streiks
organisieren zu können. In den Textil-Fabriken Shahu und Kurdistan ist
die Vollversammlung
besonders bei den wiederholten und langen Streiks der Arbeiter in den letzten
anderthalb Jahren dermaßen zur Tradition geworden, dass die Arbeiter bei
jedem Ereignis, bei jeder Willkürmassnahme, bei jeder Drohung gegen die
Arbeiterführer sich versammelten, berieten und ihre Führer schützten.
Und dadurch gelang ihnen die Durchsetzung all ihrer Forderungen. Der Hauptschlüssel
für den Fortschritt der Arbeiterbewegung, den Aufbau beständiger Arbeiterorganisationen
und das Heranwachsen einer neuen Generation von Arbeiterführern sowie für
die Einheit und Konsistenz dieser Bewegung ist das Vorantreiben der Bewegung
für Vollversammlungen in allen Arbeiterzentren und die Einmischung der
Arbeitermassen in alle Entscheidungen. Es bedarf zweitens der kommunistischen
Parteiorganisation, nicht nur um die Arbeiter gegenüber den anderen Bewegungen
und der Regierung zu vertreten, die Arbeiterkritik an den bestehenden Verhältnissen
ständig auszuweiten und zu verallgemeinern, den Rettungsweg der Arbeiterklasse
und der ganzen Gesellschaft aus dem jetzigen Sumpf aufzuzeigen und die Arbeiterklasse
im grundlegenderen Kampf in der Gesellschaft zu vertreten und zu führen.
Selbst die Gründung der Arbeitermassenorganisationen und die Gewährleistung
der Hegemonie einer radikalen und kommunistischen Politik in ihnen hängt
von der Ausweitung der Partei und der Parteiorganisation in den Arbeiterzentren
und Wohnbezirken ab. Die Ausweitung des Einflusses der Partei in jedem Arbeiterzentrum,
die Verbreitung kommunistischer und Gleichheits-Ideen in den Arbeiterfamilien
und die Bekämpfung von Aberglauben, Ideen und Vorstellungen, die nichts
als Unterwerfung, Spaltung und Konkurrenz zufolge haben, sind Voraussetzungen
für die Herstellung einer tiefen Einheit unter den Arbeitern. Es sind die
Arbeiterkommunisten, die den religiösen Aberglauben bekämpfen müssen,
die frauenfeindlichen Traditionen und ihren zerstörerischen Einfluss auf
das Leben und Kampf der Arbeiter erbarmungslos kritisieren müssen, ethnische
und nationale Spaltungen unter den Arbeitern und in der Gesellschaft verhindern
müssen, die Notwendigkeit der Beseitigung von Lohnarbeit und kapitalistischer
Ausbeutung und der Errichtung des Sozialismus, eines gerechten Systems einer
möglichst großen Masse lehren und das Niveau der Erwartungen der
Arbeiter an ein menschenwürdiges Leben heben müssen, um eine tiefe
Einheit unter den Arbeitern und ihren Familien um ihre wirklichen Interessen
herzustellen. Und dies wird ohne eine Organisation mit Plan und Arbeitsteilung,
die überall präsent ist und sich ständig vervielfältigt
und verbreitet, nicht möglich sein. Außerdem hilft die Festigung
der Verbindung der Aktivisten der Arbeiterkämpfe mit der Partei, dass ihre
Streiks in der Gesellschaft und international besser wahrgenommen werden und
viel größere und wirksamere gesellschaftliche Dimensionen annehmen.
Die Arbeiterklasse wird in Abwesenheit von Partei und kommunistischer Parteilichkeit zu nichts bringen. Sie wird nicht nur in der politischen Auseinandersetzung auf gesellschaftlicher Ebene das Spiel an die anderen Parteien und politischen Traditionen verlieren und Generation für Generation sich ausbeuten lassen, für Andere Profit erzeugen und selbst Entbehrung ertragen müssen. Sondern sie wird selbst die Spaltungen in ihren eigenen Reihen nicht überwinden können, um die tagtäglichen Kämpfe voranzutreiben. Je mächtiger die Partei, je stärker ihre Organisation unter den Arbeitern, je mehr die kommunistischen Ideen unter den Arbeitern Platz ergreifen, umso gefestigter die Position der Arbeiter gegenüber der Regierung und den Chefs, umso stärker, selbstbewusster und einheitlicher die Bewegung der Arbeiter für ihre alltäglichen Forderungen und damit umso leichter die Herstellung größerer Solidarität in den eigenen Reihen und die Zurückdrängung der Regierung. Diese verschiedenen Spaltungen unter den Arbeitern, ihr niedriges Erwartungsniveau, das Nichterkennen der Wurzeln der Ausbeutung und der grundlegenden Ursachen von Armut und Entbehrung sowie rückständige und religiöse Ideen und Glaubenssätze ermöglichen es Arbeitgebern und Regierung, die Arbeiter zu unterwerfen, sie zu spalten, ihnen ein schweres Leben aufzuzwingen, sie als unterwürfige Schicht zu betrachten und mit leeren Versprechungen abzuspeisen. Dort wo die Partei und die Führer der Streiks sich die Hand reichen, erlangen die Streiks eine solche Kraft, dass sie sogar in einem kleinen Arbeiterzentrum ihre Macht gegenüber der Regierung und der ganzen Gesellschaft behaupten können. Die Partei ist notwendig damit sie den Kampf in einem Arbeiterzentrum in ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis in einer Stadt und im ganzen Land verwandeln kann, damit sie zum Lautsprecher und zur Stimme der Streikführer wird, um die Machenschaften von Management und Regierung aufzudecken und zu neutralisieren, Solidarität dafür zu gewinnen, die Öffentlichkeit zu mobilisieren, bei der Überwindung von Spaltung und Zwietracht zu helfen, die Auswirkungen der Zensur durch tägliche Verbreitung der Streiknachrichten zu neutralisieren und so den Druck des Streiks zu verzehnfachen und ihn zum Ziel zu führen. Die Partei ist notwendig, damit die Führer der Arbeiterbewegung einen Lautsprecher haben, damit sie einen Stab und ein Zentrum haben, das ihre Stimme und ihren Aufruf für alle hörbar macht und den Streik machtvoll in die Gesellschaft hineinträgt.
Der Einfluss der politischen Partei der Arbeiterklasse muss vergrößert werden, die Parteiorganisation unter den Arbeitern ausgebaut und die Beziehung der Arbeiteraktivisten mit der Partei immer mehr gefestigt werden. Andererseits müssen Arbeitermassenorganisationen, die sich auf den allgemeinen Willen der Arbeitermassen stützen, gebildet werden. Die Streiks müssen höheres Niveau gewinnen, gesellschaftlicher werden und immer mehr prominente Arbeiterführer müssen in den Arbeiterzentren und in der Gesellschaft hervortreten. Dies sind die verschiednen Aspekte des Fortschreitens der Arbeiterklasse. Den Führern der Arbeiterbewegung und den sozialistischen und fortschrittlichen Arbeitern kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Dies ist eine sehr dringende Frage in der Arbeiterbewegung. Dies ist Bedingung für den raschen Fortschritt der Arbeiterbewegung besonders unter den sich verändernden gegenwärtigen Bedingungen.
Übersetzt aus dem Persischen. Zum ersten Mal erschienen in am "Anternasional"
Nr. 131, persischsprachige Wochenschrift der WPI.